Wie kann man eigentlich Buddhist werden?
Nachdem ich auf diesen Web-Seiten vieles über den (ZEN-)Buddhismus dargestellt habe, wird sich der Eine oder Andere fragen,
wie man eingentlich Buddhist wird, was man da "tun kann".
Diese Seite gibt darüber einen grundsätzlichen Überblick.
"Lassen Sie Vorsicht walten. Vermeiden Sie es um jeden Preis, Buddhist zu werden, ohne darüber wirklich nachgedacht zu haben,
ohne über ein Grundwissen zu verfügen, nur weil Sie Lust dazu verspüren, denn dann werden Sie früher oder später entdecken müssen,
daß Ihnen gewisse Praktiken gar nicht entsprechen oder sie Ihnen unmöglich erscheinen."
Dalai Lama, Ratschläge des Herzens (Zürich 2003) 195
Muss ich Buddhist werden?
Im obigen Zitat warnt selbst der Dalai Lama davor nur aufgrund von oberflächlichen Betrachtungen oder aufgrund von
Mode- und Wellnesströmungen Buddhist werden zu wollen. Dem schliesse ich mich uneingeschränkt an.
Ein Leben ohne Leiden und eine Erleuchtung kann man in den meisten Religionen erreichen - dazu braucht man nicht Buddhist zu werden.
Darum steht am Anfang einer solchen Entscheidung erst einmal das ausführliche Studium von Buddha, seinem Leben, seiner Lehre
und den heute noch verfügbaren buddhistischen Schulen, die ja alle in seiner Tradition stehen wollen.
Jeder kann auch als Christ oder als Moslem die Welt positiv verändern - nur tun muss man es eben selbst!
An dieser Stelle der Entscheidung zum Buddhismus sollte jedem "Neuling" klar sein, dass Buddha nie wollte, dass in seinem Namen
Menschen missioniert werden oder ihre Religion verlassen sollten.
Falls ihr auf solche Buddhisten oder Meister trefft, nehmt lieber Abstand davon.
Muss ich aus meiner bisherigen Kirche austreten?
Um Buddhist zu werden muss man strenggenommen keiner buddhistischen "Kirche" beitreten - das nimmt man sich einfach vor und wird es dann.
Die anderen Kirchen sehen das formaler.
Z.B. darf man als Katholik (meines Wissens) nicht noch Mitglied in einer anderen Kirche sein - entweder, oder!
Beim Buddhismus spielt es keine formelle Rolle, ob man noch weiterhin in einer christlichen Kirche Mitglied bleibt.
Nur auf Dauer macht das keinen Sinn: die Christen glauben noch an einen Gott und die Buddhisten eben nicht (mehr).
Der Papst hat das Monopol für alle religiösen Antworten - im Buddhismus hat die eigene Erfahrung Vorrang vor den Worten eines Papstes oder Meisters.
Es macht keinen Sinn 2 konträre Religionen im Alltag leben zu wollen - man wird nur auf Widersrprüche und Probleme stossen.
Selbst bekannte katholische Priester haben es nicht geschafft beides zu verwirklichen
und haben sich dann lieber gegen die Katholische Kirche gestellt und auf Seiten des Buddhismus:
"Die von Rom (Papst) beanstandeten Äußerungen Willigis Jägers zeigen recht deutlich,
daß auch er diesem Widerspruch nicht entgeht, daraus aber offensichtlich die Konsequenz gezogen hat,
sich auf die Seite eines buddhistischen ... Gottesverständnisses zu schlagen."
Christian Ruch
Gibt es so etwas wie eine "buddhistische Taufe" oder eine "buddhistische Kirche"?
Im Christentum kennen wir ja (alle?) die Taufe. Damit wird man formell Christ und in die Kirchenregister (und beim Finanzamt!)
als Christ eingetragen.
Beim Buddhismus gibt es das alles (meist) nicht.
Es gibt nicht so etwas wie eine Taufe und es gibt auch kein weltweites Register worin alle Buddhisten eingetragen sind.
Man kann ganz einfach morgen entscheiden: ich werde ab jetzt Buddhist.
Man informiert sich über Buddha, sein Leben und seine Lehre und versucht das dann selbst um zu setzen - schon ist man Buddhist!
Insofern sind Zahlenangaben darüber, wieviele Buddhisten es z.B. in Deutschland gibt natürlich sehr unzuverlässig und widersprüchlich.
Weil das Grundproblem für solche Erfassungen darin besteht, wie definiert man einen Buddhisten?
Wer das nun etwas förmlicher und mit etwas Gruppendruck möchte, der kann dies auch bei einer der vielen buddhistischen Gruppen in Deutschland machen.
Oder aber bei der Deutschen Buddhistischen Union (DBU).
Dies ist schlicht nur ein Verein in dem buddhistische Gruppen oder auch Einzelpersonen Mitglied werden können - nicht müssen.
In der Regel äussert man dann eine Selbstverpflichtung:
"Ich bekenne mich zu Buddha": das ist wohl selbstverständlich, sonst möchte man wohl kaum Buddhist werden ...
"Ich bekenne mich zu Dharma": auch das sollte selbstverständlich sein, dass man sich zur Lehre Buddhas bekennt und versucht diese (so gut es geht ...) um zu setzen.
"Ich bekenne mich zum Sangha": man bekennt sich als zugehörig zur Weltgemeinschaft aller Buddhisten.
Der letzte Punkt ist etwas schwieriger, aber z.B. bei Christen weltweit implizit selbstverständlich.
Viele nennen sich zwar Buddhisten, leben aber nicht mehr nach der Lehre Buddhas, das fällt dann schon mal etwas schwer.
Wenn man eine solche Selbstverpflichtung dann in einer (ZEN-) buddhistischen Gruppe oder bei einem Meister ablegt,
geht dies schon einmal über die obigen Punkte hinaus.
Man bekennt sich dann z.B. nur zu dem Sangha genau dieser buddhistischen Sekte
oder man bekennt sich mehr zur Lehre des Meisters, als zur Lehre Buddhas ...
"Nicht selten weisen jene, die am Autoritätsanspruch eines Papstes kein gutes Haar lassen,
Meistern und Gurus gegenüber eine völlig kritiklose und fast schon devot zu nennende Unterwürfigkeit auf.
... Daß dies Mißbrauch, sei er finanziell oder sexuell, begünstigen kann, liegt auf der Hand."
Christian Ruch: Buddhismus im deutschsprachigen Raum
Wer ist der "Papst" bei den (ZEN-) Buddhisten ?
Genauso wenig wie es für alle christlichen Religionen einen gemeinsamen Papst gibt - gibt es diesen auch nicht für Buddhisten.
Bei den Christen gibt es ja z.B. die Richtungen: evangelisch, katholisch, ortodox, apostolisch, ...
So gibt es bei den Buddhisten: Theravada, Chan, Zen, Mahayana, tibetischer Buddhismus, ...
Insofern sollte man sich als "Neu-Buddhist" einmal alle diese Richtungen anschauen und sich erst danach für seine persönliche Ausrichtung entscheiden.
Für mich selbst hat sich hier die Frage gestellt:
wie weit weg sind diese heutigen Richtungen eigentlich alle von der ursprünglichen Lehre Buddhas?
Da aber auch nicht alle Menschen gleich und verschieden begabt sind, so gibt es halt verschiedene buddhistische Ausprägungen,
damit für jeden etwas dabei ist.
Kirchenorganisationen im (ZEN-) Buddhismus ?
Einige buddhistische Richtungen haben so etwas wie eine Kirche aufgebaut - vergleichbar mit der Katholischen Kirche.
Es gibt damit eine Kirchenorganisation, welche finanziert werden muss und der meist auch ein "Oberhaupt" vorsteht.
Z.B. im tibetischen Buddhismus gibt es 3 verschiedene Kirchen und nur von einer ist der Dalai Lama das Oberhaupt.
Diese Kirche regiert der Dalai Lama genauso absolutischtisch, wie der Papst die Katholische Kirche.
Aber auch im ZEN gibt es eine grosse (weltweite) Kirche: der Soto-Schule.
Hier werden Aktivitäten und Verwaltung weltweit koordiniert.
Es wird zwar nicht jeder einzelne ZEN-Buddhist in das Register der Soto-Schule eingetragen, aber zumindest doch die offiziellen Lehrer.
Im Extremfall hat die Soto-Kirche den Angriffskrieg gegen andere Länder unterstützt und moralisch, ethisch positiv dargestellt.
Meines Wissens gab es aber nur einen Fall wo man einem sozial engagierten ZEN-Meister seinen Titel wieder aberkannt hatte.
Aber wo halt eine Kirchenorganisation ist, gibt es politische Probleme, gibt es Egoissmus, gibt es Intrigen, Gewalt und finanzielle Veruntreuungen.
Jeder der Katholik war und gerade wegen der Kirche und dem Papst konvertiert ist,
sollte sich ganz genau überlegen, ob er einer buddhistischen "Kirche" beitritt und dort dasselbe "in Grün" wieder erleben möchte ...
"Meditationssucht speist sich aber auch daraus, dass man tatsächlich glücklich ist und das Gefühl hat,
in diesem Zustand der Meditation nichts mehr zu brauchen.
So vergeudet man sein Leben auf dem Kissen und kapselt sich ab,
anstatt sein Leben mit seinen Liebsten und Freunden zu verbringen oder generell das Leben, die Natur und Kultur zu genießen."
von einer ZEN-Aussteigerin
"Manche Anfänger stellen sich Meditation als etwas sehr Pompöses vor, so als ob in ihrer Meditation Lichtblitze erscheinen,
Meister oder Engel zu ihnen sprechen müssten oder dergleichen.
Und dann sind sie enttäuscht, dass da "nichts" ist ...
Eher werden sie erstaunt feststellen, wieviel statt 'nichts' wirklich in ihnen ist,
wenn sie die subtilen Eindrücke in ihrer Meditation wahrzunehmen lernen."
Aus dem Artikel: Allgemeines über Meditation
Wie praktiziert man Buddhismus ?
So wie Christen in die Kirche und den Gottesdienst gehen, so können auch Änfänger dies am Anfang ähnlich sehen oder benötigen etwas equivalentes.
Bundesweit gibt es sicherlich tausende Übungsgruppen, welche sich in regelmässigen Abständen (mindestens wöchentlich)
treffen und gemeinsam Meditation üben.
Wenn man nicht sicher weiss, was z.B. eine ZEN-Meditation ist, kann man sicherlich in solchen Gruppen eine persönliche Einweisung erhalten.
Möchte man bei solchen Gruppen teilnehmen, sollte man sich im Klaren sein, dass das früher oder später etwas kosten wird -
es müssen ja Räumlichkeiten gemietet / finanziert werden: Heizung, Strom, die Ausstattung, Verbrauchsmaterial, ...
Bei manchen Gruppen kann man (anfangs) noch kostenlos meditieren - bei anderen kostet es 2-5 Euro für jeden Abend.
Es gibt sogar Gruppen mit 10er-Karten.
Andere Gruppen drängen darauf, dass man gleich Mitglied im Verein wird, dann kann es noch teurer kommen.
Aber man kann z.B. auch täglich zuhause 30 Minuten für die Meditation freihalten und täglich praktizieren.
Es gibt sehr viele Tips dazu, aber am Besten meditiert man morgens und mit nüchternem Magen.
"Meditation im Handeln ist der Meditation im Stillsitzen milliardenfach überlegen."
ZEN-Meister Hakuin
Nur so einseitig das immer dargestellt wird, dass Buddhisten (viel) meditieren, so ist das eigentlich nur Nebensache!
Für Buddhisten wie für Christen ist es am Wichtigsten, wie man im Alltag handelt.
Alles was Christen in der Kirche vollziehen oder Buddhisten auf ihrem Meditationskissen machen, bringt nicht wirklich etwas
wenn man danach wieder auf der Strasse ist und der Alltag einen einholt.
Buddhisten haben ihre "Erleuchtung" meisten im Alltag, bei ganz alltäglichen und banalen Handlungen.
"Nirgends wirst du so gnadenlos mit dir selbst konfrontiert wie in Zazen.
Du wirst all das an dir sehen, was du lieber nicht gesehen hättest.
Und je reiner dein Zazen ist, desto durchsichtiger wirst du dir werden.
Je durchsichtiger du dir wirst, desto deutlicher werden dir deine schmutzigen Seiten vor Augen kommen.
Nur wenn du dich wirklich selbst erkennen willst, praktiziere Zazen."
Sawaki Kôdô Rôshi
Erlösung und Verwirklichung im Buddhismus
Vielen Buddhisten sagt man nach, dass sie nur auf sich und ihren Erlösungsweg bedacht sind.
Das ist zwar grundsätzlich eine noch falsche Sichtweise des Buddhismus, liegt aber darin begründet,
dass der Buddhismus eine "Selbsterlösungslehre" ist.
Kein Papst, kein religiöser Führer und keine Buddhistische Sekte kann dich wirklich "erlösen" - das kann nur jeder selbst auf seinem individuelle Weg.
Insofern braucht ein Buddhist nicht zwingend eine Kirchenorganisation oder einen Meister,
weil das was er tun muss, ihm niemand abnehmen kann, er muss es ganz alleine umsetzen und erfahren.
Im Buddhismus gibt es nun keinen richtenden/erlösenden Gott, kein Himmel und keine Hölle.
Es wäre aber nun ein Trugschluss zu denken, dass der Buddhismus deswegen angenehmer oder bequemer wäre.
Wie das vorherige Zitat zeigt, wirst Du mit dem Schlimmsten konfrontiert, was Dir passieren kann: mit DIR!
Auf Buddhisten wartet die Hölle nicht erst nach dem Tod, sondern sie können die Hölle schon mitten in diesem Leben erleben.
Wie wurde ich Buddhist ?
Noch als formeller Katholik habe ich mich ca. 20 Jahre mit dem Buddhismus beschäftig, alle wichtigen Aspekte Studiert.
Bis mir klar wurde, dass das Christentum in unserem Lande keine Chance mehr dagegen haben konnte.
Dann bin ich zu meinem zuständigen Amtsgericht gegangen, habe dort meinen Kirchenaustritt dokumentiert,
dieses wiederum meiner Stadtverwaltung und meinem Finanzamt mitgeteilt.
Nun ist ausschliesslich der (ZEN-)Buddhismus meine einzige "Religion".
Leider gibt es keine übergreifende, unabhängige ZEN-Organisation oder -Verein/-Verband
wo ich dieses mein Selbstverständnis formell dokumentieren könnte.
Als "Notlösung" sehe ich eine Einzelmitgliedschaft bei der DBU um dies zu dokumentieren.
Zu diesem Schritt konnte ich mich aber noch nicht durchringen, weil die Identifikation mit der DBU, das was sie tut
und wie sie Probleme löst (oder eben nicht löst und schwehlen lässt) sehr schwierig ist.
Viele Nachteile hat sie eben mit einer ganz normalen christlichen Amtskirche wieder gemeinsam ...